Aktiv für Flüchtlinge

podiumsrunde16 1 kleinErzbischof dankt Flüchtlingshelfern - EnTrA- mit dabei

Mehr als 200 in der Flüchtlingshilfe engagierte Ehrenamtliche aus dem Erzbistum Paderborn waren am Samstag der Einladung von Erzbischof Hans-Josef Becker zur Fachtagung „Aktiv für Flüchtlinge“ in Dortmund gefolgt.

Die Tagung stand im Zeichen des Dankes für das Engagement der Ehrenamtlichen, thematisierte aber ebenso die Schwierigkeiten der Hilfen für Geflüchtete.

Erzbischof Hans-Josef Becker dankte zu Beginn den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihren „unermüdlichen Einsatz“. Weit über 700 Aktionen und Initiativen würden derzeit aus dem Flüchtlingsfonds des Erzbistums Paderborn gefördert. Dies dokumentiere die große Bandbreite der Hilfen von Begrüßungsfeiern, über Sprachkurse, Kleiderkammern, Tafeln, Fahrradwerkstätten bis hin zur Übernahme von Rechtsanwaltskosten.

Nach eineinhalb Jahren intensiver Flüchtlingsarbeit gebe es jedoch auch Ernüchterung. Dies sollte dazu führen, die Dinge nüchterner und realistischer zu sehen. „Wir brauchen einen Blick auf die Wirklichkeit, der geprägt ist von Wohlwollen und Hilfsbereitschaft, der aber auch nüchtern die Schwierigkeiten benennt und versucht, sie zu lösen, statt sie zu leugnen“, sagte Erzbischof Becker.

Einsichten und Anregungen dazu bot das Impulsreferat des bekannten Islamismus-Experten Ahmad Mansour. Der israelisch-arabische Psychologe und Autor, der seit 2004 in Deutschland lebt, beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen gegen Radikalisierung. Ahmad Mansour plädierte für „weniger Naivität und mehr Realismus“ in der Debatte um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Wesentlich für eine gelingende Integration derer, die in Deutschland bleiben wollten, sei die konsequente Vermittlung der Werte des Grundgesetzes und der Menschenrechte. Er vermisse eine innergesellschaftliche Debatte zur Stärkung dieser Werte ebenso wie übergreifende Konzepte zur Wertevermittlung. Die Anwesenden ermunterte er, „klar und bewusst“ für diese Werte einzustehen. „Wie gehen wir beispielsweise damit um, wenn muslimische Eltern ihre Kinder am Freitag in die Moschee anstatt zur Schule schicken und damit die Schulpflicht verletzen“, fragte Mansour. Anstatt solche Themen von Rechtsradikalen instrumentalisieren zu lassen, müssten sie in der Mitte der Gesellschaft differenziert besprochen werden.

In einer Talkrunde mit Ahmad Mansour, Pastor Meinolf Wacker aus Kamen, Paul Esken von der Caritas-Konferenz Hl. Kreuz in Arnsberg, Markus Groß von IN VIA Paderborn, Bettina Bielefeld vom Projekt „Ankommen“ in Dortmund sowie dem aus Syrien geflüchteten Omar Alfarhan berichtete Meinolf Wacker von der positiven Entwicklung der Flüchtlingshilfe in Kamen. „Wir wollen den Flüchtlingen einen Boden bereiten auf dem sie stehen können“, sagte Pastor Wacker.

In insgesamt elf Workshops wurden die im Fachtag angesprochenen Themen sowie weitere Aspekte vertieft. Besonders groß war das Interesse an den Patenschaftsprojekten und den Aktionen unter dem Titel „be brother – be sister“ in Kamen, die Pastor Meinolf Wacker zusammen mit Ehrenamtlichen vorstellte. Patinnen der Flüchtlinge berichteten, dass sie diese Arbeit als große Bereicherung und mehr und mehr als „Begegnung auf Augenhöhe“ empfinden. „Das Gefühl, man kann helfen und aus einer schwierigen Situation etwas Gutes machen ist sehr motivierend“, sagte eine Teilnehmerin. In dem von Ehrenamtlichen getragenen „Orientierungs-Punkt“ in Kamen gibt es regelmäßige Angebote zum Austausch untereinander sowie eine Beratung für die Paten.