Ein historischer Augenblick

Skulptur 06b

„Alle sollen eins sein!“ hatte Jesus in seinem Abschiedsgebet vor seinem Tod zum Vater gebetet. Dieses Gebet hat Herzen bewegt, gerade auch im vergangenen Jahr, in dem Christen aus aller Welt der Reformation vor 500 Jahren gedacht haben. Aus Anlass dieses Gedenkjahres hat sich die katholische Gemeinde Heilige Familie entschieden, der evangelischen Schwestergemeinde in Kamen für die Pauluskirche eine Skulptur zu schenken, die „Einheit in Verschiedenheit“ symbolisiert. Die gleiche Skulptur steht im Altarraum der Kirche Heilige Familie.

So sind die Christen beider Konfessionen in Kamen eingeladen, betend und aneinander denkend auf dem Weg des gelebten Miteinanders weiter zu gehen.

Am Samstag, dem 18.11.2017 wurden im Rahmen eines Gottesdienstes – beginnend in der Kirche Heilige Familie und endend in der Pauluskirche -  beide Skulpturen aufgestellt. Der Künstler Gregor Telgmann lässt in seinem deutenden Text verstehen, dass die zwei hoch aufstrebenden Edelstahlsäulen für die katholische und die evangelische Konfession stehen. „Beide Säulen sind fest mit der runden Bodenplatte verankert. Die Basis für beide Konfessionen bildet somit das Rund – die vollkommende Form. Die Säulen laufen zunächst parallel und neigen sich im oberen Drittel zueinander, sie nähern sich an und drücken damit den Titel ‚Annäherung der Konfessionen‘ aus.“

Mittig zwischen beiden Säulen findet sich eine geheimnisvolle Form. Ein aus Acryl gefertigtes stilistisches Kreuz – umgeben von Wellen – ist erkennbar. Die Zahl 3 spielt in den Formen eine entscheidende Rolle und lässt erahnen, der EINE Gott, der sich in DREI Personen entfaltet und vereint will sich ereignen, immer neu, zwischen den Konfessionen und den zwei oder drei, die sich überall auf der Welt in Seinem Namen versammeln. Diese geheimnisvolle reale Präsenz Gottes unter den Menschen wird in der Skulptur durch eine aus dem Boden-Sockel strahlende Lichtquelle symbolisiert.

Ehrfürchtiges Schweigen und Staunen war bei allen Gästen nach der Enthüllung der Skulptur in beiden Kirchen zu spüren. Neben den Pastoren, Diakonen und Gemeindereferentinnen beider Gemeinden waren Gäste aus dem Presbyterium der evangelischen Kirche und Gäste aus dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand der katholischen Kirche gekommen. Nachdem Pfarrer Bernhard Nake in der Kirche Heilige Familie Gregor Telgmann und seiner ganzen Familie herzlich für dieses beeindruckende und ausdrucksstarke Kunstwerk gedankt hatte, ließ Pfarrer Poth nach dem Segen in der Pauluskirche mit einem Lächeln wissen: „Und unsere katholischen Glaubens-Brüder und Schwestern haben alles mitgebracht, auch  Getränke und leckeres Fingerfood!  Also, jetzt wird noch gefeiert!“ Und so ergab sich noch manche schöne Begegnung  - Augenblicke gelebter Einheit!