Podium auf dem Katholikentag: Wie geht Versöhnung heute?

katholikentag 07 bBelastete Vergangenheit und neue Spannungen in Osteuropa

„Es ist gar nicht so leicht, die genauen Konfliktlinien im Krieg in meinem Heimatland, der Ukraine, auszumachen!“ konstatiert Andrij Waskowycz, der Präsident der Caritas in der Ukraine am Beginn einer Podiumssitzung in der Halle Münsterland auf dem 101. Katholikentag in Münster.

Claudia Gawrich, Bildungsreferentin bei Renovabis hatte neben ihm Dietmar Nietan, MDB und Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Berlin, Dr. Stephanie van de Loo,  röm.-kath. Moderatorin des Klosters Frenswegen, Rheine und Meinolf Wacker, Pastor aus Kamen ins Podium eingeladen. Ca. 150 Teilnehmer waren gekommen und bekamen neben theoretischem Wissen über Versöhnungsarbeit, konkrete Erfahrungen mit Jugendlichen über alle Grenzen der Ethnie und Nation hinweg präsentiert. In kleinen Stehtisch-Gruppen ergab sich die Möglichkeit, nachzufragen und eigene Erfahrungen einzubringen. Leuchtend und für alle einleuchtend blieb am Ende eine Erfahrung aus einem der Friedenscamps go4peace.

Jugendliche aus Serbien, dem Kosovo und Albanien, aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Slowenien hatten sich während des Camps im Jahr 2015 auf eigene Initiative zusammengesetzt. Sie hatten sich versprochen, einander zu erzählen, was sie zu Hause als Kroaten über die Serben, als Serben über die Kosovaren, als Slowenen über die Leute aus  Bosnien gehört und in der Schule gelernt hatten. Sie hatten mit denen geredet, mit denen ihre je eigenen Völker oft schon Jahrhunderte ‚im Krieg‘ lebten. Aber vorher hatten sie sich ein Versprechen gegeben: „Wir wollen Frieden untereinander halten. Das heißt ja ‚go4peace‘!“ Und dann hatten sie sich alles erzählt, was trennt und was verbindet. Und das Wunder war geschehen! Sie blieben in ihren Herzen und in ihrem Miteinander im Frieden!

Fotos: pdp/Pfaff