Jugend

Pilgerdasein auf dem Weltjugendtag

WJT P1320047 200Donnerstag 25-07-2013

„Duc in altum!“ Fahr hinaus - in die Weite und in die Tiefe. Beides war Realität. Am Dienstagabend haben wir den Eröffnungsgottesdienst mit gefeiert - an der Copacabana. Bewegende Augenblicke, auch wenn es zu regnen begann.

Ein Fahnenmeer fast aller Nationen der Erde wogte hin und her und alles getragen von echter brasilianischer Gastfreundschaft. Ein Fest des Glaubens in bewegende Szene gesetzt - mit packenden Worten und jugendgemäßer Musik.

Weil es so kalt war, schmiegten sich alle aneinander, denn auch die Brise, die über die Copacabana strich, war alles andere als warm. „Danke, dass ich dabei sein kann!“ flüstert mir eine junge Frau zu. Ich verstehe mehr und mehr, was die Kirche ist!“ Als Lesungstext hören wir die Berufung des jungen Samuel. Immer wieder hört er eine Stimme, die ihn ruft. So steht er auf und geht zu seinem Großvater - er folgt einem alten Muster. Es dauert lange, bis der Jugendliche versteht, dass Gott ihn in dieser inneren Unruhe ruft. „Und wie verstehe ich meinen Weg?“ fragt mich am nächsten Tag ein Jugendlicher aus einer anderen deutschen Gruppe. Ich erzählte ihm eine Erfahrung von Papst Franziskus. Er war immer neu - schon als Jugendlicher - seiner inneren Stimme gefolgt, so auch am Karfreitag 1963. Er ging in seine Pfarrkirche, weil er spürte: Da musst du hin! Er beichtete bei einem Priester, den er nicht kannte und sagte später: „Nach diesem Beichtgespräch war ich anders. Irgend etwas ist geschehen. Ich habe gespürt: Gott hatte auf mich gewartet. Mir war klar, dass ich den Weg des Priesters gehen sollte!“
Am gestrigen Mittwoch waren wir mit unserer Gruppe bei der ersten deutschen Katechese im kleinen Stadtteil Leme, am Ende der Copacabana. Jugendbischof Wiesemann wandte sich an die Jugendlichen und wies immer wieder auf den Hunger und Durst Gottes nach uns Menschen hin. Er erzählte persönliche Erfahrungen aus einer Woche, die der vor dem Weltjugendtag in Paraguay hatte verbingen können. Sichtlich bewegt von der Armut der Menschen dort ermutigte er, Zeugen der Liebe Gottes zu sein - dort wo ein jeder hingestellt ist. Nachmittags waren wir mit einigen der Pilger in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mit großer Sachkompetenz vorgetragen wurde die politische Situation des Landes deutlich. Ja, ENDLICH kommt es zu den Demonstrationen, ENDLICH gehen Menschen für Ungerechtigkeit auf die Straße. Ein Riese erwacht. Und es waren größtenteils friedliche und gewaltfreie Demos. Sobald Gewalttätigkeit zu ahnen war, wurden die Verursacher ausgepfiffen. Die jungen Leute wollten in Frieden auf ihre Situation aufmerksam machen!
Am Abend dann gelang uns eine Austauschrunde. Bunteste Eindrücke wurden eingebracht. „Ich wollt noch was, zu unserem gestrigen Motto ‚Achte auf die kleinen Dinge, die dir geschenkt werden!‘ sagen. Wir haben es nicht geschafft, im Menschengewühl bei der Gruppe zu bleiben. Zuerst fühlten wir uns allein. Aber dann haben wir uns auf den Weg gemacht und bis zu unserer Unterkunft waren ständig Menschen da, die uns geholfen haben. Zunächst lieh uns jemand sein Handi, so konnten wir anrufen.  Dann sprach uns ein Mann an, und erklärte uns genau den Weg. Dann eine Schwester, die uns in den richtigen Bus gebracht und fast bis zur Schule geführt hat. Das war total bewegend!“
So ist das Leben, das wir hier in diesen Tagen mit den Jugendlichen der Welt teilen, sehr konkret! Heute werden wir mit Weihbischof König von Paderborn eine Katechese im kleinen Kreis halten. Wir freuen uns schon sehr. Heute nachmittag werden wir Freunden des Wortes aus der Schweiz begegnen und heute abend wir dann die Willkommensfeier mit dem Papst an der Copacabana sein. Es wartet erneut die „Weite und Tiefe“ auf uns. Das Motto des heutigen Tages, das unter all den Jugendlichen mit ihren Bischöfen vertieft wird, ist: „Jünger Christi sein!“ Die Freude über diese Berufung, mitten in der Welt für die Botschaft konkreter Liebe zu stehen, ist hier zu spüren: in den Herzen und auf den Straßen!
Am Ende des Tages. Da wir nur selten Internetzugang haben, kommt noch ein kurzer Eindruck zu dem eben noch angekündigten Tag. Höhepunkt war die Begegnungsfeier mit Papst Franziskus. Wieder ist den Brasilianern eine großartige Inszenierung gelungen! Über eine Millionen junge Leute nahmen teil an dieser Feier. Und sofort hatte er die Jugendlichen „auf seiner Seite“. Am Ende der Feier rief er den Jugendlichen mit Blick auf Jesus zu: „Los! ER baut auf Euch!“
Doch über allem lag auch die schwere Botschaft, dass ein junger Pilger aus Frankreich in Rio bei einem Unfall ums Leben und ein zweiter schwer verletzt worden ist. Als wir für diese beiden und ihre Familien besonders beten, ist zu spüren, wie betroffen viele sind.

 

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