Sommercamp 2010

Sommercamp- Tag 5, Donnerstag, 29.07.

 

Badezimmer
Das Badezimmer
Inzwischen zähle ich nicht mehr, wie oft ich nach dem gerade aktuellen Wochentag gefragt habe; es müssen unzählige Male sein. Denn schon nach eigentlich kurzer Zeit habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Und auch die Tage rasen hier nur so dahin; so schockt es mich irgendwie, dass unser vierter Arbeitstag heute schon vergangen ist.

Nachdem meine Gruppe die ersten drei Tage ein Jugendzentrum renoviert hat, ging es heute das zweite Mal in eine Wohnung etwas außerhalb von Vogošća. Dort wohnt ein Mann mit drei seiner Kinder in sehr ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Wohnung. Das Badezimmer war für uns sehr schockierend: Die hintere Wand ist nicht bis zur Decke geschlossen und der Sicherungskasten hängt in unmittelbarer Nähe; eine richtige Toilette oder ein Mobiliar gibt es nicht.

Sommercamp- Tag 4, Mittwoch, 28.07.

 

Sarajevo_001
Sarajevo
Heute sind wir mit einer kleinen Gruppe von Vogosca aus mit dem Bus nach Sarajevo gefahren. Es war sehr heiß. Wir haben einiges gesehen, z.B. die Altstadt, die Kathedrale und eine Moschee. Außerdem haben wir Zeljanica und Cevapi gegessen, landestypische Speisen, die man in Sarajevo auf jeden Fall gegessen haben muss. Das war eine gute Möglichkeit mit unseren bosnischen Begleiterinnen ins Gespräch zu kommen. Später fiel Monika auf, dass sie die Quittungen vergessen hatte, die sie brauchte, um das Geld hinterher wieder zurück zu bekommen. Also musste sie noch einmal zurück gehen, um sie zu holen, obwohl ihre Füße schon sehr weh taten. Danach sind wir auf einen Berg gestiegen und konnten von einem Plateau aus die ganze Stadt überblicken, von dort hatten wir eine wunderschöne Aussicht und haben eine Menge Fotos gemacht. Wir sind dann noch durch die Stadt gelaufen und hatten einfach Spaß zusammen. Obwohl die Füße wirklich schmerzten, hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt.

Sommercamp 3. Tag, Dienstag, 27.07.

Bosnien_001
„Der Pömpel muss weg.“ Auf den ersten Blick ein eher ungewohntes Tagesmotto; doch es sollte uns heute durch den zweiten Arbeitstag führen. Wir verstanden „Pömpel“ als eine Art Barriere; denn wie oft stellt man sein eigenes „ich“ in den Mittelpunkt und versperrt so aus Egoismus oder Einseitigkeit die Wege zu schönen Momenten.
Mit diesem Motto startete heute auch der Art-Workshop in einer kleinen hiesigen Grundschule. Dort war geplant, ein großes fantasievolles und buntes Bild an eine Wand zu malen. Doch schon nach kurzer Zeit versperrte der erste „Pömpel“ das Vorhaben: Die Direktorin der Schule war sich unsicher,  ob die Stadt die Schulumgestaltung genehmigen würde. In dieser eher schwierigen Situation herrschte  zunächst Enttäuschung, denn alle hatten sich auf das Gestalten gefreut. Doch Antonio, der den Workshop leitet, setzte sich für die Gruppe ein und machte den Vorschlag, ein großes Bild auf Papier zu malen, um so diese Schule schöner zu machen. Die Gruppe ließ sich begeistern und war nach einiger Zeit sehr in die Arbeit vertieft.

Sommercamp- Tag 2, Montag 26.07.

Heute war unser erster Arbeitstag mit dem Motto „Tu immer den ersten Schritt!“. Dafür haben wir uns zunächst in acht Gruppen eingeteilt, sechs von ihnen führten verschiedene Renovierungsarbeiten durch. Die anderen beiden nennen sich die Performancegruppe  und die Kunstgruppe. Einige dieser Gruppen gingen in Wohnungen und Häuser, die in schlechtem Zustand waren, andere ins Jugendzentrum oder eine Schule. So trafen wir auf völlig unterschiedliche Menschen und Situationen:

Da war zum Beispiel die völlig verdreckte Wohnung, in der wortwörtlich der erste Schritt getan werden musste, um eine ansatzweise menschliche Atmosphäre zu schaffen. Das hat wirklich manchmal einige Überwindung gekostet, doch hinterher sahen wir das glückliche Funkeln in den Augen der Menschen und spürten, dass sie sich an diesen Tag noch lange erinnern würden, und ihre Freude steckte auch uns an.

Sommercamp- Tag 1, Sonntag 25.07.

Nach 24 Stunden Fahrt und sehr wenig Schlaf verbrachten wir unsere erste Nacht in Vogosca. Heute war dann für uns besonders wichtig, uns erst mal etwas näher kennenzulernen. Einem lustigen Kennenlernspiel folgte die erste gemeinsame Messe in der kleinen Kirche neben unserem „Zeltplatz“. Wir feierten sie in vier Sprachen (Englisch, Kroatisch, Deutsch und Tschechisch), um die Vielfältigkeit und die unterschiedlichen Nationalitäten unseres Camps einzubringen. Unser Motto für den heutigen Tag lautete: „Ich bin (geliebt)“ - Die Tatsache, dass ich existiere, bedeutet gleichzeitig, dass ich von Gott gewollt – und unendlich geliebt – bin. Im Austausch über unsere verschiedenen Erfahrungen mit diesem Motto zeigte sich, dass wir im Miteinander mit den anderen diese Liebe gespürt hatten.