Jugend

Vergiss mein Haiti nicht !

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Sterne für Heaven

Am 30. Oktober trafen sich die Messdiener des Pastoralverbundes erneut zu einer Vollversammlung. Sie entschieden, ihr vor einigen Monaten lanciertes Engagement für Haiti nicht ruhen zu lassen, zumal jetzt Cholera-Epidemien im Land auftreten. Damit machen die Ministranten den dritten Schritt für Haiti, dieses Mal unter dem Motto: "Sauberes Wasser für Haiti!" 

 

Sommercamp- Tag 12, Donnerstag, 05.08.

Heute besuchten wir wieder einmal einen Vater mit drei Kindern. Seine Frau verließ ihn, als sein jüngster Sohn 6 Monate alt war. Der Mann ist durch die Folterung im Gefängnis psychisch krank geworden. Nur die Liebe zu seinen Kinder hält diesen Mann, der viel Schweres im Krieg erlebt hat, am Leben.

In den letzten Tagen haben wir dort bereits gestrichen und drei Betten für die Kinder gebaut. Heute reparierten wir im Haus eine Tür, wo die Fenster kaputt waren. Die Bretter, die wir eingebaut hatten, durften die Kinder anschließend bemalen. Bei der Verabschiedung sagte der über beide Ohren strahlende Vater, dass dies alles das Netteste und Beste wäre, was ihm je passiert ist. Der Vater war so froh, wodurch unsere Herzen berührt wurden.

 

Sommercamp- Tag 11, Mittwoch, 04.08.

Die zahllosen, unendlichen Wälder Bosnien rauben einem die Angst, dass es jemals einen Mangel an Holz geben würde. Und so konnten wir heute im Baumarkt Vogosćas 40m² Holz in unseren Bulli hieven, aus dem ein paar Stunden später massive Boxen für unsere Zelte entstehen sollten. Zwar hatte  ich Lust auf diese eher ungewöhnliche Arbeit, doch ich war auch etwas enttäuscht. Denn die vergangenen Tage hatten uns in Wohnungen zu besonderen und unterschiedlichen Menschen geführt. Viele dieser zwischenmenschlichen Augenblicke hatten sich sofort in meine Seele eingebrannt. Ich bezweifelte, dass ich mit gefühlten 1000 Kilo Holz viele zwischenmenschliche Momente haben würde. Aber: wer weiß?

Sommercamp Tag 9 und 10, Montag, 02.08. und Dienstag, 03.08.

In den letzten beiden Tagen waren wir mit einer Gruppe bei Anđa, einer ca.75-jährigen Frau, um ihr Haus aufzuräumen. Als wir ankamen, waren wir alle ziemlich geschockt,da das Haus sich in einem schrecklichen Zustand befand. Im und um das Haus lag jahrelang gesammelter Müll. Zum Glück waren Šimo und Marijan vorbereitet, sodass wir sofort mit der Arbeit beginnen konnten. Direkt am Anfang eilten uns einige Nachbarn zur Hilfe, da auch ihnen die Säuberung des Grundstückes am Herzen lag. Sie waren offen, und erzählten uns sogar, dass ihre Nachbarin die meiste Zeit bei ihnen und nicht ihrem eigenen Haus verbringt. Da das Haus aufgrund des vielen Mülls nicht betretbar war, fingen  wir damit an, den Müll, der um das Haus verteilt war, wegzuschaffen und im Garten auf einem großen Haufen zu sammeln.

Heute, am zweiten Tag, mussten wir zuerst auf ein Team von Spezialisten aus Vogošca warten, das uns bei der „ Räumungsaktion“ unterstützen sollte.

Sommercamp- Tag 8, Sonntag, 01.08.

 

Sessellift
Sessellift
Zu Hause wäre heute, am ersten Tag des Monats August, wohl die Auszahlung des Taschengeldes für mich ein Tageshighlight und ein schönes Geschenk gewesen. Hier in Bosnien war so ein schönes Geschenk heute unter anderem etwas Prismaförmiges: Die Toblerone-Schokolade war in buntem Papier eingewickelt und eine Art Dankesgeschenk, das wir alle in der Messe heute morgen mit den Einheimischen bekamen. Dies war für mich etwas Greifbares und Sichtbares; verborgener und eigentlich unsichtbar dagegen war die Atmosphäre in der kleinen Kirche, gefüllt mit den unterschiedlichsten Menschen. Auf einmal spürte ich keine Barrieren mehr zwischen dieser älteren Frau vor mir, die ich gar nicht kannte und dessen Freude in ihren Augen blitzte, als ich ihr mein Gesangbuch hinhielt, damit sie in ihrer Sprache mitsingen konnte.

Und auch ein kleiner Plastikbecher, bis zum Rand mit Blaubeeren gefüllt, war heute ein kostbares Geschenk für mich: Wir waren nach der Messe auf den Jahorina gefahren (der höchste Berg hier im Umkreis, genutzt für die Winterspiele '84 und gezeichnet vom Krieg) und erkundeten nach einer Reflektionsrunde die Gegend. Dabei spürte ich mehr und mehr eine Art Traurigkeit in mir, denn, als ich begann, das Camp dieses Jahres mit dem des letzten Jahres zu vergleichen, merkte ich, dass mir dieses enge Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den bosnischen und deutschen Jugendlichen noch fehlt. So saß ich auf einer Steinmauer, war in Gedanken und zwei Mountainbiker fuhren an uns vorbei. Mir wurde klar, dass genau diese jetzt meine Nächsten waren und ich sie einfach lieben musste.