Jugend

Sommercamp- Tag 8, Sonntag, 01.08.

 

Sessellift
Sessellift
Zu Hause wäre heute, am ersten Tag des Monats August, wohl die Auszahlung des Taschengeldes für mich ein Tageshighlight und ein schönes Geschenk gewesen. Hier in Bosnien war so ein schönes Geschenk heute unter anderem etwas Prismaförmiges: Die Toblerone-Schokolade war in buntem Papier eingewickelt und eine Art Dankesgeschenk, das wir alle in der Messe heute morgen mit den Einheimischen bekamen. Dies war für mich etwas Greifbares und Sichtbares; verborgener und eigentlich unsichtbar dagegen war die Atmosphäre in der kleinen Kirche, gefüllt mit den unterschiedlichsten Menschen. Auf einmal spürte ich keine Barrieren mehr zwischen dieser älteren Frau vor mir, die ich gar nicht kannte und dessen Freude in ihren Augen blitzte, als ich ihr mein Gesangbuch hinhielt, damit sie in ihrer Sprache mitsingen konnte.

Und auch ein kleiner Plastikbecher, bis zum Rand mit Blaubeeren gefüllt, war heute ein kostbares Geschenk für mich: Wir waren nach der Messe auf den Jahorina gefahren (der höchste Berg hier im Umkreis, genutzt für die Winterspiele '84 und gezeichnet vom Krieg) und erkundeten nach einer Reflektionsrunde die Gegend. Dabei spürte ich mehr und mehr eine Art Traurigkeit in mir, denn, als ich begann, das Camp dieses Jahres mit dem des letzten Jahres zu vergleichen, merkte ich, dass mir dieses enge Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den bosnischen und deutschen Jugendlichen noch fehlt. So saß ich auf einer Steinmauer, war in Gedanken und zwei Mountainbiker fuhren an uns vorbei. Mir wurde klar, dass genau diese jetzt meine Nächsten waren und ich sie einfach lieben musste.

Sommercamp- Tag 6, Freitag, 30.07.

Eine unserer Gruppen hat heute für die Familie Kiamet, die vier Kinder hat, zwei Etagenbetten gebaut. Die Kinder waren total glücklich und begeistert und wollten die ganze Zeit selber mit anpacken. Der Vater musste sie so manches Mal beruhigen, weil sie so „nervös“ waren. Als die Betten dann fertig gebaut und aufgestellt waren, begannen schon die ersten Streitereien darum, wer oben schlafen dürfe.

Hasan hat sogar geweint, weil er mit seinen beiden gebrochenen Händen nicht hoch klettern durfte.

Irgendwann hat er es aber dann doch einfach gemacht und alle vier Kinder sind von einem Bett in das nächste gesprungen. Nach der Arbeit haben wir dann noch unser Essen mit ihnen geteilt. Die Kinder wollten alle immer mit uns kuscheln und ganz viele Fotos mit uns machen. Es war ein sehr schönes Gefühl zu erleben, wie sie heute am dritten Tag unserer Arbeit aus Dankbarkeit aus ihrer Schüchternheit herausgekommen sind und sich dann sogar darum gestritten haben, wer wann auf wessen Schoß sitzen durfte. Ich glaube, wir haben echte Freude in diese Familie gebracht.

Sommercamp- Tag 5, Donnerstag, 29.07.

 

Badezimmer
Das Badezimmer
Inzwischen zähle ich nicht mehr, wie oft ich nach dem gerade aktuellen Wochentag gefragt habe; es müssen unzählige Male sein. Denn schon nach eigentlich kurzer Zeit habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Und auch die Tage rasen hier nur so dahin; so schockt es mich irgendwie, dass unser vierter Arbeitstag heute schon vergangen ist.

Nachdem meine Gruppe die ersten drei Tage ein Jugendzentrum renoviert hat, ging es heute das zweite Mal in eine Wohnung etwas außerhalb von Vogošća. Dort wohnt ein Mann mit drei seiner Kinder in sehr ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Wohnung. Das Badezimmer war für uns sehr schockierend: Die hintere Wand ist nicht bis zur Decke geschlossen und der Sicherungskasten hängt in unmittelbarer Nähe; eine richtige Toilette oder ein Mobiliar gibt es nicht.

Sommercamp- Tag 4, Mittwoch, 28.07.

 

Sarajevo_001
Sarajevo
Heute sind wir mit einer kleinen Gruppe von Vogosca aus mit dem Bus nach Sarajevo gefahren. Es war sehr heiß. Wir haben einiges gesehen, z.B. die Altstadt, die Kathedrale und eine Moschee. Außerdem haben wir Zeljanica und Cevapi gegessen, landestypische Speisen, die man in Sarajevo auf jeden Fall gegessen haben muss. Das war eine gute Möglichkeit mit unseren bosnischen Begleiterinnen ins Gespräch zu kommen. Später fiel Monika auf, dass sie die Quittungen vergessen hatte, die sie brauchte, um das Geld hinterher wieder zurück zu bekommen. Also musste sie noch einmal zurück gehen, um sie zu holen, obwohl ihre Füße schon sehr weh taten. Danach sind wir auf einen Berg gestiegen und konnten von einem Plateau aus die ganze Stadt überblicken, von dort hatten wir eine wunderschöne Aussicht und haben eine Menge Fotos gemacht. Wir sind dann noch durch die Stadt gelaufen und hatten einfach Spaß zusammen. Obwohl die Füße wirklich schmerzten, hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt.

Sommercamp 3. Tag, Dienstag, 27.07.

Bosnien_001
„Der Pömpel muss weg.“ Auf den ersten Blick ein eher ungewohntes Tagesmotto; doch es sollte uns heute durch den zweiten Arbeitstag führen. Wir verstanden „Pömpel“ als eine Art Barriere; denn wie oft stellt man sein eigenes „ich“ in den Mittelpunkt und versperrt so aus Egoismus oder Einseitigkeit die Wege zu schönen Momenten.
Mit diesem Motto startete heute auch der Art-Workshop in einer kleinen hiesigen Grundschule. Dort war geplant, ein großes fantasievolles und buntes Bild an eine Wand zu malen. Doch schon nach kurzer Zeit versperrte der erste „Pömpel“ das Vorhaben: Die Direktorin der Schule war sich unsicher,  ob die Stadt die Schulumgestaltung genehmigen würde. In dieser eher schwierigen Situation herrschte  zunächst Enttäuschung, denn alle hatten sich auf das Gestalten gefreut. Doch Antonio, der den Workshop leitet, setzte sich für die Gruppe ein und machte den Vorschlag, ein großes Bild auf Papier zu malen, um so diese Schule schöner zu machen. Die Gruppe ließ sich begeistern und war nach einiger Zeit sehr in die Arbeit vertieft.