Begegnung mit Flüchtlingen

flüchtling nov14 1a kleinAm geschichtsträchtigen 09. November 2014 hatte sich eine Gruppe interessierter und engagierter Menschen (jung und alt) aus dem Pastoralverbund Kamen-Kaiserau auf den Weg gemacht, um in der ehemaligen Station der Autobahnpolizei an der Dortmunder Allee den dort zeitweilig untergebrachten Flüchtlingen

ihr „Ohr zu leihen“ bzw. einen Teil ihrer Zeit zu widmen, ihnen für ungefähr 2 Stunden ihre Situation vergessen zu machen. Dieser Ort war erst vor kurzem zu einem „Übergangswohnheim“ umfunktioniert worden, wo Flüchtlinge aus aller Welt vorübergehend untergebracht werden, um sodann auf andere Kommunen verteilt zu werden. Zeitweilig sind dort über 300 Menschen untergebracht, z.Zt. vorwiegend aus den Krisenregionen Ukraine bzw. Irak/Syrien, aber auch aus anderen Teil der Welt. Als die Gruppe Sonntagnachmittag eintraf, war bereits ein Großteil der Menschen wieder „weitergereicht“ worden. Das Wachpersonal berichtete, dass in diesem Moment „nur noch“ 68 Menschen dort leben, davon zahlreiche Kinder und Jugendliche. Mit ihnen kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung mit gespanntem, neugierigen Interesse auf beiden Seiten. Mit mitgebrachten Spielen (bespw. Memory und Mensch-ärgere-dich-nicht), Spielgeräten (Fußbälle, Stelzen, Einräder, Wurfdosen), Bastelmaterialien (Laternenherstellung) und Malutensilien wurden über die Sprachbarrieren hinweg Brücken gebaut. Man kam ins Gespräch – mit Händen und Füßen, mit Stift und Papier oder mit eigenen, wenn auch geringen Fremdsprachkenntnissen. Ein junger Mann hatte mit seiner kleinen Tochter seine hochschwangere Frau in seiner Heimat zurücklassen müssen – aus Liebe zu seiner Tochter. Eine mazedonische Familie hatte ein kleines Geschäft in der Heimat aufgegeben, weil sie dort aus religiösen Gründen denunziert und verfolgt wurde. Ein älterer Mann erzählte von seiner Geschichte: er selbst, Volkszugehörigkeit Roma, geboren und aufgewachsen in Serbien, Katholik, seine Eltern Muslime, seine Frau Albanerin und ebenfalls Muslima. Sie haben mit ihrem Sohn (20 Jahre) die Heimat und ein kleines Häuschen in Mazedonien verlassen, weil sie die Belästigungen und Bedrohungen aus religiösen Gründen und wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit nicht mehr ausgehalten haben. Überall fanden diese Demütigungen statt: auf der Arbeit, beim Arzt, im Geschäft, in der Poststelle…..Eine junge Familie aus Serbien hatte bei der großen Flut alles verloren; sie wußten weder ein noch aus und sind nun in einem ihnen ungewohnten Land gelandet. Mit den vielen Kindern wurden kleine Laternen gebastelt; kleine elektronische Kerzen darin brachten ihre Augen zum Strahlen. Schnell lernten sie in einer ihnen unbequemen Sprache ein kleines Lied auswendig und mit Gitarrenbegleitung fand rasch und unkonventionell ein kleiner Umzug statt. Unzählige Mal wurde dabei das Lied gesunden: „Ich geh mit meiner Laterne…“. Die Kinder konnten nicht genug bekommen. Man konnte ein wenig den Himmel auf Erden erahnen.